Die Sauna ist einer der wenigen Orte, an denen Brillenträger die Frage nicht wirklich stellen müssen – die Antwort ist eigentlich klar. Und trotzdem tun es manche: Brille auf, rein in die Kabine, und dann schnell wieder raus, weil es zu unangenehm wird.
Was genau passiert mit einer Brille bei 80 oder 90 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit, ist eine Frage, die viele nie gestellt haben. Die Antwort ist interessanter als man denkt – und hat auch praktische Konsequenzen.
Sofortiger und vollständiger Beschlag
Das erste, was passiert, ist nicht schwer vorherzusagen: Die Brille beschlägt sofort und komplett. Nicht ein bisschen, nicht an den Rändern – vollständig. Die Luft in einem Saunaraum ist extrem feucht und heiß, die Gläser kühler. Der Temperaturunterschied ist so extrem, dass der Beschlag in Sekunden einsetzt und sich auch bei längerem Aufenthalt nicht auflöst – die Luft produziert Kondenswasser schneller, als es verdunsten kann.
In einer finnischen Sauna mit trockener Hitze (niedrige Luftfeuchtigkeit, hohe Temperatur) kann sich das Glas zwar schnell auf die Umgebungstemperatur angleichen, was den Beschlag reduziert. Aber auch hier gilt: bei 85 Grad kommt man mit einer Brille nicht weit, bevor alles milchig ist.
Was die Hitze mit Fassung und Gläsern macht
Hier wird es interessanter. Brillenfassungen aus Kunststoff – und das sind die meisten – sind in der Regel bis etwa 60 bis 70 Grad belastbar, bevor sie sich zu verformen beginnen. In einer Sauna mit 80 bis 90 Grad bedeutet das: Die Fassung kann weich werden, sich verbiegen oder dauerhaft verformen. Das merkt man meist erst danach, wenn die Brille plötzlich schief sitzt oder die Gläser sich leicht gelöst haben.
Metallfassungen sind hitzebeständiger, aber auch sie leiten Wärme – nach einigen Minuten sind die Metallteile heiß genug, um sich unangenehm auf der Haut zu brennen.
Brillengläser aus Kunststoff sind hitzeempfindlicher als solche aus Mineral (Glas). Bei Kunststoffgläsern können sich unter extremer Hitze Beschichtungen ablösen oder Mikrorisse entstehen – besonders dann, wenn die Gläser nach dem Saunagang schnell mit kaltem Wasser in Kontakt kommen (Temperaturschock). Das ist vergleichbar mit dem, was mit einem heißen Glas passiert, wenn man kaltes Wasser hineinschüttet.
Die Empfehlung ist eindeutig
Brille nicht mit in die Sauna nehmen. Das gilt sowohl für die klassische Aufgusssauna als auch für Dampfbäder und Infrarotkabinen. Letztere sind zwar temperaturmäßig milder (40 bis 60 Grad), haben aber oft hohe Luftfeuchtigkeit und erzeugen ähnliche Probleme.
Wer auf seine Brille angewiesen ist, um sich überhaupt zu orientieren, legt sie auf einem Ablagebereich außerhalb der Kabine ab – oder nimmt eine alte Reservebrille mit, die man für solche Zwecke nutzt und bei der ein möglicher Schaden verschmerzbar wäre.
Was mit der Brille nach der Sauna passiert
Wer beim Verlassen des Saunabereichs in einen kühleren Raum geht und die Brille aufsetzt, kennt das bekannte Bild: sofortiger Beschlag durch den Temperaturwechsel. Das ist hier genauso wie im Winter beim Betreten eines warmen Raumes – nur umgekehrt. Die Gläser sind heiß (oder warm), die Umgebungsluft ist kühler und feuchter.
Dieser Effekt klingt in der Regel nach einer Minute ab, sobald die Gläser sich angeglichen haben.
Ein Hinweis zur Kontaktlinse als Alternative
Wer in der Sauna auf Sehkorrektur angewiesen ist, findet in Kontaktlinsen eine praktikable Lösung – mit einer Einschränkung: Auch Kontaktlinsen reagieren empfindlich auf sehr trockene Hitze, wie sie in finnischen Saunen herrscht. Die Linsen können austrocknen und sich unangenehm anfühlen oder schwer zu entfernen sein. Im Dampfbad ist das weniger ein Problem, da die Luftfeuchtigkeit hoch ist.
Für die meisten Saunabesucher ist die pragmatischste Antwort schlicht: Brille raus, Augen etwas zusammenkneifen, und die Sauna genießen. Die Orientierung reicht in den meisten Fällen auch ohne.
